Was ist neu in Home Assistant 2026.8?

Home Assistant 2026.8 ist am 5. August 2026 als stabiler Release erschienen, zwei Tage später folgte mit 2026.8.1 bereits die erste Bugfix-Version. Der Release trägt das Motto „Approachable by design" – zugänglich durch Design – und bündelt damit mehrere Änderungen, die weniger auf ein einzelnes Killerfeature abzielen als auf einen insgesamt einfacheren Einstieg und spürbar mehr Tempo im Alltag. Die auffälligste Änderung betrifft den Netzwerk-Standardport, dazu kommen eine schnellere Template-Engine, 16 neue Integrationen, eine verbesserte Matter-Anbindung für Türklingeln, ein aufgeräumteres Interface – und, zeitlich mit dem Release verknüpft, das Ende der Companion-App-Unterstützung für einige ältere Apple-Betriebssysteme.

Der Standardport wechselt von 8123 auf 80

Seit der ersten Version lief Home Assistant standardmäßig auf Port 8123 – eine Zahl, die sich viele Nutzer:innen irgendwann einfach gemerkt haben, die für Neueinsteiger:innen aber immer eine zusätzliche Hürde war. Mit 2026.8 ändert sich das: Neuinstallationen von Home Assistant OS laufen jetzt standardmäßig auf Port 80, dem klassischen Standardport für unverschlüsseltes HTTP. Die lokale Adresse lautet damit schlicht homeassistant.local, ganz ohne angehängte Portnummer. Wichtig dabei: Die Änderung betrifft ausschließlich Neuinstallationen von Home Assistant OS. Wer eine bestehende Installation betreibt, behält den bisherigen Port unverändert bei, und auch Home Assistant Container – die schlankere Docker-Variante ohne Supervisor – bleibt laut offiziellem Changelog beim gewohnten 8123. Die Einstellung selbst ist jetzt direkt in der Oberfläche unter Einstellungen > System > Netzwerk zu finden, statt nur über die Konfigurationsdatei erreichbar zu sein, und wer den Port manuell ändert, ist durch einen Fail-Safe-Mechanismus abgesichert: Bestätigt man den Zugriff über den neuen Port nicht innerhalb weniger Minuten, macht Home Assistant die Änderung automatisch rückgängig.

Wer statt der neuen Oberflächen-Einstellung lieber die klassische Konfigurationsdatei nutzt, kann den Port dort weiterhin explizit setzen. Das grundsätzliche Muster der HTTP-Integration sieht dabei vereinfacht so aus:

http:
  server_port: 8123

Wer diesen Wert weglässt, bekommt bei einer Neuinstallation ab 2026.8 automatisch 80 statt 8123 als Ausgangswert.

Firewall, Reverse Proxy und Zertifikate: was der Portwechsel für den Netzwerkbetrieb bedeutet

Für den reinen Zugriff im Heimnetz ändert der neue Standardport wenig – der Browser verbindet sich einfach auf dem Standard-HTTP-Port, ganz ohne Angabe. Relevanter wird die Änderung, sobald mehrere Dienste um denselben Port konkurrieren oder ein Reverse Proxy wie Traefik, Caddy oder nginx davor steht. Läuft auf demselben Host bereits ein anderer Dienst auf Port 80, etwa ein weiterer Webserver oder ein zweiter Container mit eigenem Portmapping, kollidiert das mit dem neuen Home-Assistant-Standard, und die Installation muss entweder auf einen anderen Port umgestellt oder der andere Dienst verschoben werden. Unter Linux gelten Ports unterhalb von 1024 traditionell zudem als privilegierte Ports, die ohne besondere Rechte (etwa CAP_NET_BIND_SERVICE) nicht ohne Weiteres von einem unprivilegierten Prozess gebunden werden können – ein Aspekt, der insbesondere bei manuellen Container- oder Supervised-Installationen relevant werden kann, wenn Home Assistant nicht als Root-Prozess läuft. Wer Home Assistant ohnehin hinter einem Reverse Proxy mit eigenem TLS-Zertifikat betreibt, bemerkt von der Portänderung praktisch nichts, da der Proxy weiterhin auf den intern konfigurierten Port von Home Assistant zeigt.

Templates: bis zu 40 Prozent schneller und cachebar

Templates gehören zu den mächtigsten, aber auch rechenintensivsten Werkzeugen in Home Assistant: Sie stecken hinter berechneten Sensoren, bedingten Automationen und dynamischen Dashboard-Inhalten und basieren auf der Template-Sprache Jinja2. Ein einfaches Beispiel für ein Template mit numerischem Ergebnis, wie es künftig schneller rendert, ist etwa die Umrechnung eines Temperatursensors von Grad Celsius in Fahrenheit:

{{ states('sensor.aussentemperatur') | float * 1.8 + 32 }}

Mit 2026.8 hat das Projekt an der zugrunde liegenden Rendering-Engine optimiert – laut offiziellem Blogpost rendern Templates mit einem solchen numerischen Ergebnis dadurch bis zu 40 Prozent schneller. Ergänzend können Templates, die auf Dashboards verwendet werden, jetzt zwischengespeichert werden, statt bei jeder Anzeige komplett neu berechnet zu werden. In der Praxis wirkt sich das vor allem bei Installationen mit vielen berechneten Sensoren oder komplexen, template-lastigen Dashboards aus – etwa wenn mehrere Karten kontinuierlich Werte aus Templates ziehen, oder wenn ein Dashboard auf einem Tablet als Dauer-Anzeige läuft und ständig neu gerendert wird. Wie stark der Effekt bei nicht rein numerischen Templates (etwa bei Textzusammensetzungen oder Listenoperationen) ausfällt, quantifiziert Home Assistant nicht näher.

Matter-Türklingeln lösen jetzt eigene Events aus

Matter ist der herstellerübergreifende Smart-Home-Standard, über den unter anderem Türklingeln verschiedener Hersteller angebunden werden können. Bislang gab es dabei eine Einschränkung: Home Assistant erkannte zwar die zugrunde liegende Matter-Switch-Funktion einer Türklingel, ordnete das Gerät aber nicht zuverlässig dem spezifischen Doorbell-Gerätetyp zu. Dadurch standen die Button-Press-Events – also der eigentliche Klingel-Druck – nicht immer als eigene, direkt nutzbare Entity zur Verfügung, sondern mussten teils über Umwege wie generische Zustandsänderungen einer Switch-Entity abgegriffen werden. Mit 2026.8 erkennt Home Assistant den Doorbell-Gerätetyp jetzt korrekt und stellt für Tastendrücke eigene Event-Entities bereit. Eine Automation, die auf ein solches Event reagiert, könnte im Kern nach folgendem, vereinfachtem Muster aussehen:

automation:
  - alias: "Tuerklingel: Benachrichtigung senden"
    trigger:
      - platform: state
        entity_id: event.haustuer_klingel
    action:
      - service: notify.mobile_app
        data:
          message: "Jemand hat an der Haustuer geklingelt"

Praktisch heißt das: Eine Matter-Türklingel kann jetzt direkt eine Automation auslösen, ohne Umweg über eine generische Switch-Entity – etwa eine Push-Benachrichtigung, ein aufleuchtendes Licht im Flur oder eine Sprachansage über einen smarten Lautsprecher.

Aufräumen im Interface: weniger „Advanced", „Tools" statt „Developer Tools"

„Approachable by design" zeigt sich auch abseits der großen Funktionen: Laut Changelog wurde die „Advanced"-Kennzeichnung an rund 40 bis 43 Stellen der Oberfläche entfernt. Die dahinterliegenden Einstellungen selbst haben sich dabei nicht verändert – sie sind nur nicht mehr künstlich von den übrigen Einstellungen abgegrenzt. Zusätzlich wurde der Menüpunkt „Developer Tools" in schlicht „Tools" umbenannt. Beide Änderungen sind für sich genommen klein, stehen aber exemplarisch für die Ausrichtung des Releases: weniger Hürden für Menschen, die Home Assistant nicht aus beruflichen Gründen, sondern einfach für ihr eigenes Zuhause einrichten wollen, ohne dabei bestehende Funktionen zu streichen.

16 neue Integrationen im Überblick

Mit 2026.8 wachsen die unterstützten Systeme erneut: 16 neue Integrationen sind laut offiziellem Blogpost hinzugekommen. Genannt werden dabei unter anderem eine Anbindung an Google Health, die Monitoring-Lösung Gatus, das Baby-Monitoring-System Harbor Sleep sowie GeoSphere-Austria-Wetterwarnungen. Diese Liste ist beispielhaft, nicht vollständig – wer genau prüfen will, ob ein bestimmtes eigenes Gerät oder ein bestimmter Dienst jetzt unterstützt wird, sollte die vollständige Integrationsliste im offiziellen Changelog konsultieren. Der stetige Integrationszuwachs ist bei Home Assistant kein Einzelfall, sondern folgt dem monatlichen Release-Rhythmus des Projekts.

Companion-App: Ende für iOS 15, watchOS 8 und macOS 11

Bereits am 7. Juli 2026 hatte Home Assistant angekündigt, dass die Companion-App ab Version 2026.8.0 kein iOS 15, watchOS 8 und macOS 11 mehr unterstützt. Als Hintergrund nennt das Projekt, dass Apple die Entwicklerwerkzeug-Unterstützung für watchOS 8 und macOS 11 ab September einstellt, was die Weiterentwicklung der App für diese Plattformen zunehmend erschwert. Die neue Mindestanforderung liegt bei iOS 16.4, watchOS 9 und macOS 12. Wer noch auf einer älteren Version unterwegs ist, kann die App nicht mehr aktualisieren – die letzte kompatible Version bleibt 2026.7.1, die laut Ankündigung weiterhin als Download und Quellcode verfügbar bleibt. Betroffen ist nach Angaben von Home Assistant weniger als ein Prozent der über zwei Millionen aktiven Nutzer:innen; als Ausweg bleibt zudem der Zugriff über den Webbrowser, der von der Änderung nicht berührt wird, etwa über ein als Homescreen-Icon abgelegtes Browser-Lesezeichen. Die zeitliche Nähe zur Portänderung ist dabei kein inhaltlicher Zusammenhang, sondern schlicht Terminplanung: Beide Änderungen sind an das reguläre 2026.8-Release gekoppelt, technisch aber unabhängig voneinander.

Was Admins und Selfhoster jetzt tun sollten

Für die meisten bestehenden Installationen bedeutet 2026.8 keinen Handlungszwang: Der Port bleibt wie gewohnt, und die Performance-Verbesserungen greifen automatisch. Trotzdem lohnt sich vor dem Update ein kurzer Check in vier Schritten. Erstens: Wer eine komplett neue Home-Assistant-OS-Installation plant, sollte Firewall-Regeln, Portweiterleitungen und eventuelle Reverse-Proxy-Konfigurationen an den neuen Standardport 80 statt 8123 anpassen, insbesondere wenn andere Dienste im Netzwerk bereits Port 80 belegen oder Home Assistant nicht mit den nötigen Rechten für privilegierte Ports läuft. Zweitens: Wer die Companion-App auf einem älteren Apple-Gerät nutzt, sollte vorab prüfen, ob die Mindestanforderung (iOS 16.4, watchOS 9 oder macOS 12) erfüllt ist – andernfalls bleibt vorerst der Browser-Zugriff als Alternative. Drittens: Wie bei jedem größeren Update gilt unabhängig von den konkreten Neuerungen, vor dem Upgrade über Einstellungen > System > Sicherungen eine aktuelle Sicherung anzulegen, statt sich allein auf automatische Backups zu verlassen. Viertens: Wer eigene, stark template-lastige Dashboards oder Automationen betreibt, sollte nach dem Update kurz gegenprüfen, ob sich deren Verhalten weiterhin wie erwartet darstellt – Performance-Optimierungen an der Rendering-Engine ändern zwar nicht die Template-Syntax, aber es schadet nicht, kritische Automationen einmal manuell auszulösen und zu beobachten.

  • FAQ:Muss ich nach dem Update meine Home-Assistant-Adresse ändern? Nein. Nur Neuinstallationen von Home Assistant OS erhalten automatisch Port 80. Bestehende Installationen behalten ihren bisherigen Port, hier ist keine Anpassung nötig.Warum wechselt Home Assistant überhaupt den Standardport? Ziel ist laut Projekt eine einfachere Standardadresse ohne Portnummer für neue Installationen – das passt zum Motto des Releases, die Plattform zugänglicher zu machen, ohne bestehende Setups zu verändern.Werden alte Templates jetzt automatisch schneller? Templates mit numerischem Ergebnis profitieren laut Changelog automatisch von der optimierten Engine. Wie stark sich der Effekt im Einzelfall bemerkbar macht, hängt von Komplexität und Nutzung der jeweiligen Templates ab.Was passiert, wenn ich noch iOS 15 auf meinem iPhone nutze? Die Companion-App lässt sich ab 2026.8.0 nicht mehr aktualisieren; die letzte kompatible App-Version ist 2026.7.1. Alternativ funktioniert der Zugriff auf Home Assistant weiterhin über den Webbrowser.Ist Home Assistant Container von der Portänderung betroffen? Nein. Laut offiziellem Changelog bleibt der Standardport bei Home Assistant Container unverändert bei 8123.Wie lange bleibt Version 2026.7.1 verfügbar? Home Assistant hat angekündigt, 2026.7.1 weiterhin als Download und Quellcode bereitzustellen, ohne dafür ein festes Enddatum zu nennen.
  • Fazit: Home Assistant 2026.8 ist kein Release mit einem einzelnen großen Feature, sondern eine Sammlung kleinerer, aber spürbarer Verbesserungen: ein zugänglicherer Standardport für Neuinstallationen, eine spürbar schnellere Template-Engine, aufgeräumte Menüs und eine praktischere Matter-Anbindung für Türklingeln. Für die meisten bestehenden Installationen ändert sich dabei operativ wenig – der Portwechsel betrifft nur Neuinstallationen, und Container-Nutzer:innen sind ohnehin außen vor. Etwas Aufmerksamkeit braucht nur eine kleine Gruppe: Wer die Companion-App auf einem älteren Apple-Gerät nutzt, kommt am Sprung auf iOS 16.4, watchOS 9 oder macOS 12 nicht vorbei, notfalls bleibt der Browser als Ausweg. Insgesamt zeigt 2026.8, wohin sich Home Assistant entwickelt: weniger Stolpersteine für neue Nutzer:innen, ohne dass erfahrene Selfhoster auf Kontrolle verzichten müssen.
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